Mallorca ist eine Motorradinsel, wenn du das richtige Motorrad mietest. Roadster, Reiseenduro, Cruiser oder Einsteigermaschine: welches Modell zu den Kehren der Tramuntana, zur Küstenstraße und zur Tour zu zweit passt, worauf du bei der Miete achtest, was du darunter trägst und wie ein Wochenende in drei Tagen aussieht.
Wer im Frühjahr oder Herbst über die Serra de Tramuntana fährt, sieht sie überall: Motorräder vor den Bars in Sóller, an der Staumauer von Cúber, auf dem Parkplatz von Lluc. Die Insel ist klein genug, um sie an einem Wochenende zu verstehen, und kurvig genug, um nach drei Tagen noch nicht genug zu haben. Das eigene Motorrad mitzubringen lohnt sich für ein Wochenende selten. Gemietet wird vor Ort, und dann stellt sich die eigentliche Frage: welches?
Mietmotorräder gibt es auf Mallorca bei mehreren Vermietern, viele davon nahe dem Flughafen Palma. Die Flotten ähneln sich: große Reiseenduros, klassische Roadster, Cruiser und kleinere Maschinen für den A2-Führerschein. An diesen Kategorien lässt sich gut zeigen, welcher Motorradtyp auf welche Straße gehört.
Die Insel in drei Straßentypen
Bevor es um Modelle geht, lohnt ein Blick auf das, was dich erwartet. Mallorca hat für Motorradfahrer im Grunde drei Arten von Straße.
- Die Gebirgsstraße. Die Ma-10 zieht sich über gut hundert Kilometer von Andratx im Südwesten bis Pollença im Norden durch die Tramuntana. Dazu kommen die Abzweige, die sie berühmt gemacht haben: die Ma-2141 hinunter nach Sa Calobra und die alte Passstraße über den Coll de Sóller. Enge Kehren, wechselnder Belag, Radfahrer in Gruppen, Reisebusse in Gegenrichtung.
- Die Küstenstraße. Zwischen Andratx, Estellencs, Banyalbufar, Valldemossa und Deià läuft die Ma-10 als Balkon über dem Meer. Hier fährst du langsamer, als du könntest, weil hinter jeder Kurve ein Ausblick wartet.
- Das Land dazwischen. Im flachen Inselinneren verbinden schmale Landstraßen Dörfer, Mandelplantagen und Weingüter. Wenig Verkehr, gute Sicht, ideal zum Ankommen am ersten Tag.
Die Gebirgsstraße verlangt ein handliches Motorrad, die Küstenstraße eines, auf dem du entspannt sitzt, und die Tour zu zweit eines mit Platz, Gepäck und Ruhe. Kein Modell ist überall das beste. Genau deshalb ist die Wahl wichtig.
BMW R 12 G/S: der Charakter für die Kurven
Die R 12 G/S ist die Enduro im Stil der frühen Geländesport-BMW: Boxermotor, Speichenräder, eine Linie, die mehr an die Achtzigerjahre erinnert als an ein Reisemotorrad von heute. Auf Mallorca passt sie besonders zu den Fahrern, die allein unterwegs sind und den Tag in der Tramuntana verbringen. Sie wirkt schmaler und leichter als die großen GS, in den Kehren nach Sa Calobra ist das ein echter Vorteil, und vor einer Bar in Fornalutx sieht sie schlicht richtig aus.
Was sie nicht ist: ein Gepäckträger für zwei Wochen. Wer mit Sozius und Koffern reist, ist bei den großen GS besser aufgehoben. Für ein Wochenende allein, mit Rucksack oder Topcase, ist die R 12 G/S die Wahl mit dem meisten Charakter.
BMW R 1300 GS: die Reiseenduro für zwei
Die R 1300 GS ist das Motorrad, auf dem man auf Mallorca am häufigsten Paare sieht, und das hat Gründe. Aufrechte Sitzposition, viel Platz für zwei, Windschutz, Gepäcksystem. Auf der Ma-10 zwischen Sóller und Lluc, wo die Straße lang ist und die Pausen weit auseinander liegen, spielt sie diese Stärken aus. In den engsten Kehren der Ma-2141 merkst du ihre Größe, aber die GS-Baureihe ist dafür gebaut, auch dort gelassen zu bleiben.
Wer noch mehr Reichweite und Reiseausstattung will, greift zur Adventure-Variante der GS. Für Paare lohnt es sich trotzdem, in Ruhe gegen zwei kleinere Motorräder zu rechnen: Dann fahren eben beide selbst.
BMW R nineT: der Roadster für den Morgen
Die R nineT ist das Gegenmodell zur GS: ein klassischer Roadster ohne Verkleidung, tiefer, sportlicher, puristischer. Sie ist das Motorrad für die frühe Runde, bevor die Busse kommen, und für die Küstenstraße am Abend, wenn es um das Fahren selbst geht und nicht um das Ankommen. Zu zweit und mit Gepäck ist sie die falsche Wahl, allein und mit leichtem Gepäck eine der schönsten Arten, die Insel zu erleben. Die Entscheidung zwischen ihr und der R 12 G/S ist eine Stilfrage: Enduro mit aufrechtem Sitz oder Roadster mit Zug auf dem Lenker.
Cruiser und Einsteiger: Honda Rebel, KTM 390 Duke, Triumph Speed 400
Nicht jeder will auf Mallorca Kurven sammeln. Für die Küstenstraße, den Abstecher zum Strand und das langsame Rollen durch die Dörfer gibt es Cruiser. Ein großer Cruiser wie die Honda Rebel 1100 ist die gelassene Wahl für Fahrer, die tief sitzen und entspannt reisen wollen, die kleinere Rebel 500 eignet sich für alle, die lange nicht gefahren sind oder einfach einen Tag an der Küste verbringen möchten. Für die engen Kehren der Tramuntana sind Cruiser weniger gemacht, für Valldemossa und Deià umso mehr.
Wer den Führerschein der Klasse A2 hat, findet mit der KTM 390 Duke und der Triumph Speed 400 zwei Motorräder, die als A2-taugliche Modelle angeboten werden und in vielen Mietflotten stehen. Die Duke ist leicht, wendig und direkt, die Speed 400 ist ein kleiner Roadster mit klassischer Linie. Beide sind auf den Gebirgsstraßen handlicher, als ihr Hubraum vermuten lässt, und beide sind die vernünftigste Antwort auf die Frage, wie zwei Freunde günstig drei Tage auf der Insel fahren.
Dazwischen liegt die Mittelklasse, etwa die BMW F 900 GS oder F 800 GS, die es bei manchen Vermietern auch als tiefere Version für kürzere Beine gibt.
Was zur Miete gehört
Was im Mietpreis steckt, unterscheidet sich von Vermieter zu Vermieter. Häufig gehören Helm und Topcase dazu, manchmal auch Jacke und Handschuhe. Seitenkoffer, Navigationsgerät, Motorradhosen und Stiefel gibt es oft gegen Aufpreis oder nach Verfügbarkeit, und manche Vermieter bringen das Motorrad auch ins Hotel. Prüfe vor der Buchung die Bedingungen beim jeweiligen Vermieter: Führerscheinklasse, Mindestalter, Kaution, Kilometerregelung und Zubehör. Wer die Insel nicht allein erkunden will, findet auch geführte Touren in kleinen Gruppen und Fahrtrainings.
Für die Planung heißt das: Wenn Schutzkleidung zur Miete gehört, fliegst du mit leichtem Gepäck nach Palma. Was du selbst mitbringst, ist das, was unter die Jacke gehört, und das Schuhwerk.
Stil: was Mann unter der Jacke trägt
Die geliehene Jacke ist der Rahmen, der Rest ist deine Sache. Und gerade auf Mallorca, wo du mittags in Sóller an der Plaça sitzt und abends in Palma zum Essen gehst, lohnt es sich, das mitzudenken.
- Darunter. Ein dünnes Merino-Shirt statt Baumwolle. Merino trocknet schneller, riecht nach einem Tag im Sattel weniger und gleicht den Temperaturunterschied zwischen Küste und Passhöhe aus. Dazu, für die Pause, ein leichtes Overshirt aus Leinen oder Baumwolle in Navy oder Oliv. Jacke aus, Overshirt an, und du sitzt nicht wie ein Motorradfahrer in der Bar, sondern wie ein Gast.
- Die Hose. Eine Motorradjeans mit Protektoren ist der beste Kompromiss zwischen Schutz und Stadt. Eine gewöhnliche Jeans schützt bei einem Sturz kaum. Wer keine eigene hat, fragt beim Vermieter nach einer Leihhose.
- Die Sonnenbrille. Unter dem Helm zählen dünne, gerade Bügel, die nicht hinter dem Ohr drücken. Ein klassisches Pilotenmodell aus Metall oder eine schmale Acetatbrille funktioniert. Bedenke, dass polarisierte Gläser manche Displays schwer ablesbar machen. Für den Abend gehört die Brille ohnehin ins Topcase.
- Die Boots. Knöchelhoch und mit fester Sohle. Sneaker sind auf einer Gebirgsstraße die falsche Wahl. Ein kurzer Motorradstiefel im Stil eines Chelsea- oder Schnürboots aus Leder sieht auch an der Hafenmole gut aus. Wer keine eigenen mitbringt, fragt nach Leihstiefeln.
- Handschuhe. Ein Paar mit Knöchelschutz gehört immer dazu, geliehen oder eigen. Ein zweites, dünneres Paar für die heißen Mittagsstunden an der Küste ist ein Luxus, den man nicht bereut.
Die Strecken, die du kennen solltest
Sa Calobra über die Ma-2141. Die Straße zweigt in der Nähe des Gorg-Blau-Stausees von der Ma-10 ab und windet sich in Kehren hinunter zum Meer. Eröffnet wurde sie 1933, ihr bekanntestes Stück ist der Nus de sa Corbata, der Krawattenknoten, an dem die Straße in einer Schleife unter sich selbst hindurchführt. Wichtig für die Planung: Es ist eine Sackgasse. Du fährst denselben Weg zurück nach oben. Komm früh am Morgen, bevor Reisebusse und Mietwagen die Kehren füllen.
Die Ma-10 zwischen Sóller und Lluc. Hinter Sóller steigt die Straße hinauf in das Hochtal mit den Stauseen Cúber und Gorg Blau. Darüber steht der Puig Major, mit rund 1.445 Metern der höchste Berg der Insel. Sein Gipfel ist militärisches Sperrgebiet, die Straße führt an seiner Flanke vorbei. Am Ende wartet das Kloster Lluc mit Café und großem Parkplatz.
Der Coll de Sóller. Seit es den Tunnel nach Sóller gibt, ist die alte Passstraße zwischen Bunyola und Sóller ruhig geworden. Dutzende enge Kehren auf wenigen Kilometern, schmal, mit Blick zurück auf die Ebene von Palma. Nach Unwettern kann der Belag beschädigt sein, fahr ihn also mit Reserve.
Formentor über die Ma-2210. Die Straße von Port de Pollença zum Leuchtturm am Cap de Formentor ist die spektakulärste der Insel und die einzige mit Zeitfenster. In der Saison 2026 war sie vom 15. Mai bis 18. Oktober täglich von 10 bis 22 Uhr für den privaten Verkehr gesperrt, nur Shuttlebusse, Radfahrer, Fußgänger und Berechtigte durften fahren. Außerhalb dieses Zeitraums und dieser Uhrzeiten ist sie frei. Für 2027 lohnt vor der Reise ein Blick auf die aktuelle Regelung.
Ein Wochenende in drei Tagen
Tag eins: ankommen und einrollen. Landung in Palma, Motorrad bei einem Vermieter in Flughafennähe übernehmen. Die ersten Kilometer über Landstraßen nach Bunyola, dann die alte Passstraße über den Coll de Sóller statt des Tunnels. Mittagessen in Sóller oder unten am Hafen von Port de Sóller. Am Nachmittag über die Ma-10 nach Deià und Valldemossa und über die Ma-1110 zurück nach Palma. Ein überschaubarer Tag, an dem du das Motorrad kennenlernst, bevor es ernst wird.
Tag zwei: die Tramuntana. Früh los, damit du vor neun Uhr an der Ma-2141 bist. Über Sóller hinauf zu Cúber und Gorg Blau, hinunter nach Sa Calobra, Kaffee am Meer, wieder hinauf. Weiter über die Ma-10 nach Lluc, Mittagspause am Kloster. Außerhalb der Sperrzeit kannst du nach Port de Pollença weiterfahren und am späten Nachmittag die Ma-2210 nach Formentor nehmen. Im Sommer geht es stattdessen von Lluc auf der Ma-2130 hinunter nach Inca und zurück nach Palma. Das ist der lange Tag, plane ihn ohne Abendtermin.
Tag drei: die Westküste. Ruhiger Abschluss auf der Ma-10 von Andratx über Estellencs nach Banyalbufar. Halte an den Aussichtspunkten über den Klippen, iss in einem der Dörfer zu Mittag und lass dir Zeit für den Rückweg. Am späten Nachmittag Rückgabe des Motorrads und weiter zum Flughafen.
Wer allein fährt, nimmt für dieses Wochenende die R 12 G/S oder die R nineT. Wer zu zweit fährt, die R 1300 GS. Und wer mit dem A2-Führerschein unterwegs ist, wird mit der KTM 390 Duke oder der Triumph Speed 400 auf der Ma-2141 mehr Spaß haben, als er erwartet hat.
Gut zu wissen
- Die beste Zeit für Motorradtouren sind Frühjahr und Herbst. Im Hochsommer ist es mittags heiß, und auf den Gebirgsstraßen ist mehr Verkehr.
- Auf der Ma-10 und der Ma-2141 sind viele Radfahrer unterwegs, oft in Gruppen. Überhole nur mit Sicht und Abstand.
- Tankstellen sind in der Tramuntana selten. Starte mit vollem Tank, etwa in Sóller oder Pollença.
- Achte bei der Buchung auf die Kilometerregelung. Bei manchen Vermietern sind die Kilometer erst ab einer längeren Mietdauer frei.
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Welches Motorrad eignet sich für Mallorca am besten?
Das hängt von der Tour ab. Allein in der Tramuntana passen Charaktermotorräder wie die BMW R 12 G/S oder die R nineT, zu zweit mit Gepäck eine große Reiseenduro wie die R 1300 GS. Für entspannte Küstenfahrten sind Cruiser angenehm, mit A2-Führerschein etwa die KTM 390 Duke oder die Triumph Speed 400.
Wo miete ich ein Motorrad auf Mallorca?
Mietmotorräder gibt es bei mehreren Vermietern auf der Insel, viele davon nahe dem Flughafen Palma. Vergleiche Flotte, Ausstattung und Bedingungen, bevor du buchst.
Worauf achte ich bei der Motorradmiete?
Prüfe beim jeweiligen Vermieter Führerscheinklasse, Mindestalter, Kaution, Kilometerregelung und welches Zubehör wie Helm, Jacke, Handschuhe oder Koffer im Preis enthalten ist.
Darf ich mit dem Motorrad zum Cap de Formentor fahren?
In der Saison 2026 war die Ma-2210 vom 15. Mai bis 18. Oktober täglich von 10 bis 22 Uhr für den privaten Verkehr gesperrt. Außerhalb dieser Zeiten ist die Straße frei. Die Regelung für 2027 vor der Reise prüfen.





